Gehren - kleines Kirchenbuch zwischen großen

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Wenn erstmal alles verfilmt und digitalisiert ist, sind sie so gar nicht mehr in ihrer leibhaftigen Form präsent – gemeint sind unsere Kirchenbücher. Für die Familienforscher waren die Kirchenbücher schon lange nur noch auf Mikrofilmen am Lesegerät einsehbar. In ihrer physischen Präsenz sind sie nur für uns Mitarbeitende zu sehen. Ganz selten wurde der Blick ins Originalkirchenbuch gestattet. Dann gab es oft leuchtende Augen, denn sie sind schon etwas Besonderes – die Originale, die wir in unseren Archiven verwahren.

Es ist fast ein bisschen schade, dass sie in ihrer ganzen Pracht so in ihren Regalen im Magazin stehen, das sich direkt über dem Kreuzgang befindet. Ich sehe sie Tag für Tag, weil der Weg in mein Büro durch diesen Magazinraum führt. Und manchmal springt mir wieder etwas Neues ins Auge – dieses Mal fiel mein Blick auf das kleinste Kirchenbuch.

Wenn es so zwischen seinen größeren Geschwistern steht, wirkt es geradezu niedlich. In der Höhe misst es 11,5 cm, in  der Breite 9 cm und es ist 4,5 cm dick. Es ist nur wenig größer als die Schachtel, in der sich der Mikrofilm befindet, auf den es für den Lesesaal übertragen wurde. Beim Anschauen der inzwischen erstellen Digitalisate, eins davon im Hintergrund auf dem Bildschirm, ist die kleine Größe dann nicht mehr sichtbar.

LKANK_Kirchenbuch_Gehren_Größenverhältnisse

Beim Antritt seines Amtes in der Kirchengemeinde Gehren im Jahr 1674 hat Pastor Michael Wenthin dieses neue Kirchenbuch angelegt. Darin vermerkte er wie üblich Taufen, Trauungen und Bestattungen.

LKANK_Gehren_Taufbuch_Seite

Neben den eigentlichen Amtshandlungen kann man auch sehr schön sehen, wann die Pastoren wechselten. 1707 und 1717 gibt es plötzlich andere Handschriften. 1706 stirbt der bis dahin amtierende Pastor Wenthin und die Pfarrstelle wird 1707 von Johann Rauch übernommen. Er hat sie ebenfalls bis zu seinem Tod inne und wird 1717 abgelöst von Georg Eggert. Die Eintragungen im Kirchenbuch enden 1743. Unklar bleibt, warum er es nicht bis zu seinem Tod 1745 weiter geführt hat.

Das nachfolgende Kirchenbuch beginnt 1748 und das erklärt sich aus der Bemerkung Georg Krügers, die aus seinem Werk „Die Pastoren im Lande Stargard (Großh. Meckl.-Strelitz) seit der Reformation, Schwerin 1904: „Nach seinem [Eggerts] Tode entstanden Streitigkeiten wegen der Wiederbesetzung der Pfarre, die daher bis 1748 vakant blieb, aber während dieser Zeit von dem Sohne Johann Christof [Eggert], dem späteren Pastor in Strelitz, kuriert wurde.“

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