Träumende Pläne

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Der Schrank der träumenden Pläne

Es war einmal ein Plan. Er schlummerte gemeinsam mit seinen Artgenossen in einem großen Schrank, sie waren sehr viele, es war ein bisschen eng. Der Plan kuschelte sich ein, er träumte den Plantraum: Köpfe beugten sich über ihn, Begeisterung: "Das ist es!" ... "Ja, so gehts!" ... "Ein echter Krüger"... Er ist bedeutungsvoll, stellt etwas dar und wird sich dreidimensional manifestieren.

Eines Tages wurde er aus seinen Träumen gerissen. Plötzlich helles Licht, Köpfe beugen sich über ihn: "Der ist sehr schön!" hört er. "Oh ein Original..." und " ein echter Schatz!". Stolz macht er sich etwas gerader. Aber die Köpfe klingen auch etwas zweifelnd " Nein, das ist es nicht" und "irgendetwas stimmt nicht" Wer oder was bin ich, schoss es ihm durch den Kopf und was stelle ich dar?

Als "Karten und Pläne" bezeichnen wir im Landeskirchlichen Archiv Standort Schwerin eine Sammlung, die aus überwiegend technischen Zeichnungen von Kirchen, Pfarrhäusern, Friedhofskapellen und anderen Gebäuden in kirchlichem Besitz besteht, sie umfasst etwa 4000 Einzelstücke.

Unser Plan teilt sich die Planmappe der Paulskirche in Schwerin mit zwanzig anderen und zeigt eine Ansicht von Westen, also die Eingangsfassade. Er wurde vom Architekten Theodor Krüger gezeichnet, einer wirklichen Größe in der mecklenburgischen Kirchenbauwelt.

Im 19. Jahrhundert gab es eine regelrechte Bewegung zur Restaurierung der vorwiegend mittelalterlichen Kirchen in Mecklenburg. Sie ging mit Änderungen der Gottesdienstordnung und mit einer schlichteren Gestaltungsauffassung der Innenräume einher. Diese Änderungen symbolisierten eine Rückbesinnung auf den reinen Glauben und wurden im "Eisenacher Regulativ" fixiert. In Mecklenburg bewirkte das vor allem ein Bewusstwerden der eigenen Landesgeschichte und der Notwendigkeit ihrer Bewahrung. Die Bautätigkeit an Mecklenburgs Kirchen war enorm und durch eine Etablierung des kirchlichen Bauwesens im mecklenburgischen Finanzministerium haben wir heute ein Vielzahl historischer Zeichnungen aus dieser Behörde in unserem Planschatz.

Und es wurde nicht nur saniert, sondern vielfach auch neu gebaut im Stil der sogenannten Neugotik. Der Großherzog Friedrich Franz II. wollte seine Macht und Frömmigkeit unter Beweis stellen. Die Paulskirche in Schwerin ist ein Auftragswerk des Großherzogs. Das neue Bauen mit maschinellen Methoden aus einheitlichen Formsteinen sollte auch das Bauen eines neuen Stadtteils begleiten, benannt nach seinem Vater, Paulsstadt und Paulskirche.

Der Großherzog hatte hochfliegende Pläne. Unser Plan läßt eine sehr große, geradezu majestätische Kirche, mit fünf Schiffen vermuten. Die Ansicht aus Richtung Westen ist beeindruckend. Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, mache einen Plan. Entweder gefiel der Entwurf nicht, das Geld reichte nicht, die Brandschutzanforderungen wurden fortgeschrieben, die Geburtenrate sank oder die Landeskinder verzogen ins Gelobte Land. Denn dieser Plan zeigt die Westansicht einer sehr majästetischen Kirche, die gebaute Paulskirche in Schwerin zeigt er nicht.

Aber warum wird unser Plan im Archiv aufbewahrt, gehegt und gepflegt?

Er erzählt von Phantasie, Hoffnung und Träumen der Menschen, die sich eine Umsetzung vorstellen konnten. Sie haben viele Ideen entwickelt, die besten visualisiert um sich dann doch für einen anderen Weg zu entscheiden. Vielleicht wurde er umgesetzt, eben woanders. Das herauszufinden, steht den Nutzern offen.

Oh doch, unser Plan ist würdig, er ist wie seine Artgenossen ein Schatz und prächtig anzusehen.

LKANK_Ansicht_SN_Paulskirche

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